Auweiler-Esch Aktuell (ehemals NVZ)

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Bürger erwägen Klage wegen Standort der Flüchtlingsunterkunft

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Aus dem Kölner Stadtanzeiger Online:

http://www.ksta.de/chorweiler/sote-buerger-erwaegen-eine-klage,15187566,32313394.html

 

Die Stadt Köln will die Anwohner von Esch/Auweiler über Umplanungen zur Flüchtlingsunterkunft informieren. Doch bei den Anwesenden regt sich Widerstand. Mit dem neuen Standort sind sie gar nicht einverstanden.

 

Von Karine Waldschmidt

Esch/Auweiler.

Darüber besteht in Esch und Auweiler Einigkeit: Flüchtlinge sind willkommen. Die Einwohner sind gewillt, ihren Beitrag in der augenblicklichen Krise zu leisten. Und bei nicht wenigen herrscht sogar gespannte Vorfreude. „Ich finde es gut, dass wir hier in Esch Flüchtlinge bekommen, ich freue mich darauf“, sagte etwa ein Bürger bei der von Bezirksbürgermeister Reinhard Zöllner geleiteten Informationsveranstaltung in der Aula der Grundschule Martinusstraße. Die war gut besucht, rund 350 Menschen waren anwesend. Auch andere Diskussionsteilnehmer wurden nicht müde zu betonen, dass es keine Frage sei, Asylbewerber aufzunehmen. Nicht um das Ob, sondern um das Wo drehte sich also das Gespräch.

Nichtsdestotrotz schlugen zeitweise die Wellen hoch. Auch aggressive Töne wurden laut. „Heute Abend werde ich von Ihnen ganz schön gegrillt“, befand Josef Ludwig vom Wohnungsamt. Frühestens ab Mai können sich aller Voraussicht nach die Flüchtlinge im Ort ansiedeln, vielleicht zögert sich ihre Ankunft sogar noch länger hinaus – falls betroffene Bürger ihre Ankündigung wahrmachen und gegen die Baupläne vors Verwaltungsgericht ziehen.

StandortFHeim
Politik und Verwaltung hatten Ende letzten Jahres ein städtisches Grundstück an der Auweilerstraße als Standort der Unterkunft bestimmt. Die Planung wurde aber zwischenzeitlich modifiziert: Die Stadt will das Gebäude, einen zweigeschossigen Systembau mit abgeschlossenen Wohneinheiten für maximal 160 Personen, zwar nach wie vor auf demselben Grundstück errichten, jedoch an anderer Stelle, versetzt von der Auweilerstraße an den Nordring. Auf dem Lageplan sieht es so aus, als würde der Bau gekippt und um rund 100 Meter in den Nordring hinein geschoben. Dort würde sich dann auch der Eingang zu der Unterkunft befinden, die ansonsten eingezäunt werden soll.

Starker Verkehr befürchtet

Die Anwohner an der Greesberger Straße/Nordring – ein ruhig gelegenes Wohngebiet mit schmucken Einfamilienhäusern und viel Grün – lehnen den neuen Plan ab. Sie fürchten ein hohes Verkehrsaufkommen, etwa durch Anlieferfahrzeuge, Besucherstrom, Mülltransporte. Vor allem die direkten Anlieger am Nordring müssten sich umstellen. Sie bekämen den Bau direkt vor die Nase gesetzt, dort wo jetzt freies Feld ist. Ein älterer Anwohner formulierte es so: „Für meine Frau und mich war es ein Schock, als wir erfahren haben, dass wir dann auf eine 70 Meter lange Wand schauen werden.“

Die Empörung in der Siedlung ist so groß, dass Protestunterschriften gesammelt wurden. Die Liste übergab ein Vertreter der Anwohner und verlangte, die Verwaltung habe innerhalb weniger Tage eine Antwort zu liefern. „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen“, entgegnete Ludwig. Zur Seite hatte er Konrad Peschen vom Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz. Er hatte die Aufgabe, den Anwesenden die Gründe für die Verlegung zu erläutern. Der Baugrund steht unter Landschaftsschutz – deswegen sind von vornherein nur temporäre Bauten erlaubt, erteilt wird die Baugenehmigung daher nur für fünf Jahre. Der Beirat der Unteren Landschaftsschutzbehörde habe hinzugezogen werden müssen – eine gesetzliche Vorschrift –, der habe für die Verlagerung des geplanten Gebäudes plädiert, so Peschen. Begründung: Es verlaufe eine Belüftungsschneise, außerdem solle der Wildtierwechsel nicht gestört werden.

Zwei unterirdische Gasleitungen

Mit Hohnlachen quittierten die Bürger diese Argumentation. Ein Mann schimpfte: „Sie verkaufen uns für blöd, der Umweltschutz ist doch nur vorgeschoben, Sie wollen lieber am Nordring bauen, weil es billiger ist, da dort schon alles erschlossen ist.“ Moniert wurde auch, dass am Nordring doch zwei unterirdische Gasleitungen verliefen, deren Überbauung generell verboten sei. Eigentlich ist die Empfehlung des Beirats der Unteren Landschaftsschutzbehörde bindend. Anfangs sprach Peschen denn auch davon, dass über die Verlegung längst entschieden sei. Später ruderte er zurück: „Geben Sie uns die Chance, noch einmal drüber nachzudenken.“

Mehrere Bürger hatten sich über Alternativen Gedanken gemacht, unterbreiteten drei Vorschläge: Die Flüchtlingsunterkunft könne auch direkt neben dem Sportplatz an der Auweilerstraße platziert werden oder auf dem Bolzplatz an der Martinusstraße. Eine Möglichkeit sei zudem auf der anderen Seite der Auweilerstraße gegeben, dort wo vor Jahren mal ein Nahversorgungszentrum geplant war. Das Anwesen sei allerdings in Privatbesitz, so Ludwig. Den Eschern machte er Hoffnung, dass ihre Einwände Gehör finden: „Ihre Anregungen nehmen wir mit, ziehen uns damit noch einmal ins stille Kämmerlein zurück, auch die neue Planung werden wir wieder öffentlich vorstellen, in der Hoffnung, dass wir uns schließlich auf ein Bauvorhaben verständigen.“

Autor: Karine Waldschmidt

 

 

Quelle Kölner Stadtanzeiger Online: http://www.ksta.de/chorweiler/sote-buerger-erwaegen-eine-klage,15187566,32313394.html

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Written by Chefredakteur

November 6, 2015 um 6:00 pm

Veröffentlicht in Pressemeldungen

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